Der Biber hat auch Vorteile!


Warum wir im Revier mehr Wasser speichern müssen

Ein Beitrag des Niederwildreferenten des Jagdvereins Oberpullendorf

Der vergangene Sommer hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig Wasser für unser Wild ist. Hohe Temperaturen und lange Trockenperioden setzen den heimischen Tierarten zunehmend zu. Auch in den Revieren des Bezirks Oberpullendorf wird die Wasserversorgung zu einer Herausforderung, die uns in Zukunft noch stärker beschäftigen wird.

Wasser dort halten, wo es gebraucht wird

In unserem Revier fehlen größere Teiche oder dauerhafte Wasserflächen, auf die das Wild während trockener Sommermonate zurückgreifen könnte. Umso bemerkenswerter waren unsere Beobachtungen entlang der Bäche: Dort, wo Biber Dämme errichtet haben, entstanden kleine Wasserflächen, die selbst während längerer Hitzeperioden erhalten blieben.

Diese Bereiche entwickelten sich zu wichtigen Anlaufstellen für Wildtiere. Wasser war verfügbar, und die Tiere konnten ihren Durst stillen. Die Erfahrung zeigt, dass der Biber nicht ausschließlich als Verursacher möglicher Konflikte betrachtet werden sollte. Seine Bautätigkeit kann einen wertvollen Beitrag zum Wasserhaushalt unserer Landschaft leisten.

Der Biber als Baumeister der Natur

Durch seine Dämme verlangsamt der Biber den Wasserabfluss in Bächen. Das Wasser wird zurückgehalten, kann sich ausbreiten und bleibt länger in der Landschaft verfügbar. Dadurch entstehen Feuchtflächen und vielfältige Lebensräume, von denen zahlreiche Tier- und Pflanzenarten profitieren.

Solche Bereiche bieten nicht nur Wasser und Deckung für Wildtiere, sondern schaffen auch wertvolle Lebensräume für Amphibien, Insekten und viele Vogelarten. Natürlich sind Biberdämme nicht überall unproblematisch. Werden landwirtschaftliche Flächen, Wege oder technische Anlagen beeinträchtigt, können Konflikte entstehen. Umso wichtiger ist eine sachliche Betrachtung jedes einzelnen Standorts.

Dort, wo die positiven Auswirkungen überwiegen und die rechtlichen Rahmenbedingungen eingehalten werden, sollten die Leistungen des Bibers als Chance für Natur und Landschaft anerkannt werden.

Wasser für das Wild sichern

Die Erfahrungen des vergangenen Sommers machen deutlich, dass wir uns künftig stärker mit dem Thema Wasserspeicherung beschäftigen müssen. Steigende Temperaturen und längere Trockenzeiten erschweren es dem Wild zunehmend, ausreichend Wasser zu finden. Besonders in intensiv genutzten Agrarlandschaften fehlen oft natürliche Wasserstellen und feuchte Rückzugsräume.

Deshalb sollten wir schon heute überlegen, welche Maßnahmen in unseren Revieren umgesetzt werden können. Dazu gehören die Anlage kleiner Teiche, die Schaffung geeigneter Biotope, die Wiederherstellung von Feuchtflächen sowie die Speicherung von Niederschlagswasser. Auch die Renaturierung von Bachabschnitten und die Förderung natürlicher Wasserrückhalteräume können einen wichtigen Beitrag leisten.

Dabei müssen es nicht immer große Projekte sein. Oft können bereits kleinere, gezielt umgesetzte Maßnahmen eine spürbare Wirkung entfalten. Entscheidend ist, Wasser dort zurückzuhalten, wo es ökologisch sinnvoll und rechtlich zulässig ist. Solche Vorhaben lassen sich nur gemeinsam mit Grundeigentümern, Landwirten, Gemeinden, Wasserbau und Naturschutz erfolgreich umsetzen.

Verantwortung für das Wild

Die Jägerschaft hat im vergangenen Sommer Verantwortung übernommen und das Wild dort unterstützt, wo natürliche Wasserquellen fehlten. Jägerinnen und Jäger versorgten bestehende Wasserstellen oder brachten Wasser in die Reviere.

Dieser Einsatz erforderte Zeit, Arbeit und Organisation. Langfristig kann es jedoch nicht die Lösung sein, in jedem trockenen Sommer Wasser mit Fahrzeugen ins Revier zu transportieren. Ziel muss es sein, naturnahe und nachhaltige Strukturen zu schaffen, die Wasser speichern und dem Wild dauerhaft zur Verfügung stellen.

Klare Regeln für außergewöhnliche Trockenzeiten

Langanhaltende Trockenheit kann Situationen schaffen, in denen die Versorgung des Wildes mit Wasser und natürlicher Äsung nicht mehr ausreichend gewährleistet ist. Für solche Ausnahmefälle braucht es klare, verständliche und praxisnahe Vorgaben.

Eine frühzeitige Abstimmung mit den zuständigen Behörden kann dazu beitragen, Rechtssicherheit zu schaffen und notwendige Maßnahmen rechtzeitig vorzubereiten. Das Anliegen der Jägerschaft ist dabei klar: Nicht Ausnahmen zu suchen, sondern auch in schwierigen Situationen verantwortungsvoll und gesetzeskonform handeln zu können.

Vorausschauend handeln statt reagieren

Die Beobachtungen in unserem Revier zeigen eindrucksvoll, welchen Unterschied zurückgehaltenes Wasser machen kann. Der Biber hat uns vor Augen geführt, wie wertvoll natürliche Wasserspeicher in Zeiten zunehmender Trockenheit sind.

Nehmen wir diese Erfahrungen zum Anlass, über neue Wege im Umgang mit Wasser nachzudenken. Wasser ist die Grundlage allen Lebens – auch für unser Wild. Was wir heute für den Erhalt von Wasser in der Landschaft tun, wird entscheidend dafür sein, wie gut unsere heimische Tierwelt mit den Herausforderungen der Zukunft zurechtkommt.

Weidmannsheil

Mario Sacek

Niederwildreferent
Jagdverein Bezirk Oberpullendorf