Wald- und Jagdpädagogik

Autor: wHR Dipl.Ing. Friedrich Prandl
Ehrenlandesjägermeister
Gestaltung: Christina Binder Oggau, Ing. Alfred Kuzmits Eisenstadt
Begleitschreiben: Prof. Diana Neugebauer und VL Gerda Friedrich
Herausgeber: wH. Dipl.Ing. F.Prandl und Jagdverband Burgenland
Zur besseren Lesbarkeit wurde nur die männliche Schreibweise verwendet, diese bezieht sich auf beide Geschlechter
Vorwort von w.HR Dipl.Ing. Friedrich Prandl
Ehrenlandesmeister
Am Ende des 20. Jahrhunderts wurde bereits deutlich erkennbar, dass die Hausordnung in der Natur neu gestaltet wird. Mit dem Leitspruch „Zurück zur Natur“ fanden organisierte Jagdstörungen, jagdfeindliche Medienberichte, Einflussnahme der EU durch eigene Vorschriften (z.B.: Vogelschutzrichtlinie) im jagdlichen Bereich und Erweiterung der Nachhaltigkeit, unter Schutzstellungen von Waldflächen zum Zwecke des Naturschutzes (z.B.: Fauna-Flora-Habitat Richtlinie der EU) auf forstlichen Gebiet immer mehr Bedeutung. Die Erholungsfunktion des Waldes hat eine bis dahin unbekannte Wertigkeit bekommen und die Leute begannen die Natur zu stürmen. Dabei wurde oft die eingeschränkte Benutzung des fremden Eigentums an Grund und Boden übersehen und vergessen dass die Jagd die ursprünglichste aller Nutzungsformen der Natur ist und auch gesundes Wildbrett liefert.

Diese Entwicklung erforderte ein gezieltes Entgegensteuern von jagdlicher und forstlicher Seite . Allerdings zeitgerecht und nicht durch weitere gesetzliche Maßnahmen sondern durch Aufklärung der Naturnutzer.
Bei meinen zahlreichen Besuchen nationaler und internationaler Tagungen und Exkursionen sah ich dass andere Länder den gleichen Problemen mit der Gründung von sogenannten Waldschulen und Revierausgängen mit Kindern begegneten. Diesen Beispielen folgend konnte die burgenländische Jägerschaft, vertreten durch den burgenländischen Landesjagdverband, durch großes Verständnis der Mittglieder und Funktionäre sowie finanzielle Hilfe von EU, Bund und Land Burgenland in Marz die Wald- und Jagdpädagogische Aus- und Weiterbildungsstätte errichten und am 29. September 2002 feierlich eröffnen. Inzwischen wird diese jährlich von rund 10 000 Besuchern besucht und hat nationale und internationale Anerkennung gefunden.
Als damaliger Landesjägermeister des Burgenlandes freut es mich, dass ich diesen Meilenstein in der Öffentlichkeitsarbeit für die burgenländische Jägerschaft federführend mitgestalten durfte und diese erfolgreiche Einrichtung unter der bewährten Leitung von Ing. Fö. Roman Bunyai auch vom neuen Eigentümer, dem Land Burgenland weitergeführt wird.
Herzlichen Dank an alle, die bei diesem Erfolgsprojekt mitgewirkt haben.
w. HR Dipl. Ing. Friedrich Prandl
Ehrenlandesjägermeister
Ein Hoch auf die Werkstatt Natur!
Seit dem Schuljahr 2014/15 war ich immer mit den Kindern meiner 1. Klassen zu Gast in der Werkstatt Natur. Mit den unterschiedlichsten Betreuerinnen und Betreuern war der Wald zu allen Jahreszeiten fixer Bestandteil der Jahresplanung der 1. Klasse. Das Projekt war ein voller Erfolg und so fuhren (bis Corona kam) jahrelang die Taferlklassler der VS Purbach am Neusiedlersee vier Mal im Jahr erwartungsvoll und voller Freude nach Marz.
Und obwohl es scheinbar immer das gleiche Stück Wald ist, so konnten wir immer wieder Neues erfahren. Jeder Betreuer, jede Waldpädagogin hat andere Zugänge, andere Ideen, andere Schwerpunk. So ist und bleibt der Wald jedes Mal spannend und interessant.
Wichtig war mir als Lehrerin auch, dass mit Gruppenerfahrungen in der Natur, nicht nur das Wissen über das Ökosystem Wald, über Fauna und Flora erweitert wird, sondern auch die Persönlichkeit und soziale Kompetenz jedes einzelnen Kindes sowie der Lehrperson selbst (weiter)entwickelt wird. Der Wald als Lern- und Erfahrungsraum stellt somit einen wichtigen Bestandteil ganzheitlicher Erziehungs- und Bildungsarbeit dar. Und das Wunderbare daran ist, das alles mit einer großen Freud am Tun und intensiver Neugier auf mehr verbunden ist.
Meine Klassen und ich empfanden die Ausflüge immer als ein Highlight im Schulalltag!

Und wir hoffen, dass wir noch lange Zeit immer wieder Gast in der Werkstatt Natur sein dürfen!
VL Gerda Friedrich und ihre Klasse
Ein Abenteuer der besonderen Art:
Natur schlägt Technik
„Wir fahren am Freitag in den Wald.“ – Was dieser Satz bei jedem einzelnen Kind auslöst, lässt sich kaum in Worte fassen. Es ist immer wieder erstaunlich, dass sich Kinder, die in einer von Technik und Reizüberflutung geprägten Zeit aufwachsen, jedes Mal dermaßen auf den Ausflug in die Werkstatt Natur freuen.
Die Werkstatt Natur wird nie langweilig. Es gibt immer etwas Neues, Spannendes zu entdecken. Die professionellen Wald- und Erlebnispädagoginnen und -pädagogen üben ihre Tätigkeit mit Leidenschaft aus, was sich direkt auf die Motivation der Kinder auswirkt. Jedes einzelne Kind ist mit Freude und Eifer bei der Sache.
„Mir ist langweilig.“ – Diese Worte sind dem Wald völlig fremd. Denn nach Langeweile kann man hier lange suchen. Ob im Fuchsbau, beim Teich, beim Labyrinth, beim Lehrgang durch den Wald, dem Fachwissen, das vermittelt wird oder den unzähligen Spielen, die die Waldpädagoginnen und Waldpädagogen vorbereiten: Langweilig wird es einem in der Werkstatt Natur nie.
Im Wald ist alles anders: Alle Sorgen des täglichen Lebens sind ganz weit weg und die Natur vollbringt wahre Wunder. Alle helfen – wie selbstverständlich – zusammen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, z.B. beim Bau einer Wald- Kugelbahn oder eines Igelhauses. Das Gemeinschaftsgefühl und der Teamgeist werden dadurch enorm gestärkt. Selbst Kinder, die ansonsten nicht besonders viel mit der Natur anfangen können, werden hier zu richtigen „Naturburschen“ und können dem stressigen, technisierten Alltag mühelos entfliehen.
Hier ist man gerne: Ganz weit weg von all den Sorgen und Ängsten, die Kinder – und auch Erwachsene – haben, mitten in einem großen Stück Natur, wo man die Seele baumeln lassen kann. Unglaublich, was die Natur alles kann!
Prof. Diana Neugebauer
Die Werkstatt Natur in Marz
Vom Forstgarten zur erfolgreichen Aus- und Weiterbildungsstätte des Burgenländischen Landesjagdverbandes (BLJV)
1. Geschichte
Im Jahre 1954 errichtete die Republik Österreich in der Katastralgemeinde (KG) Marz, Ried „Zittersgraben“ einen Forstgarten, der zuerst als Bundesforstgarten betrieben und 1991 an das Land Burgenland verpachtet wurde. Seitens des Landes wurde der Forstgarten von der Landesforstinspektion (Forstabteilung des Amts der Bgld. Landesregierung) bis zum Verkauf im Jahre 1999 an den Burgenländischen Landesjagdverband (BLJV) zur Anzucht von Kiefer-, Fichten- und Lärchenpflanzen für Neu- und Wiederaufforstungen im Burgenland bewirtschaftet. Eigentümer der Forstgartenfläche blieb aber die Republik Österreich.

Durch zunehmende Umstellung der Waldverjüngung von der herkömmlichen Wiederaufforstung auf die natürliche Verjüngung aus Samenabfall mit Anpassung an autochthone Waldgesellschaften wurde der Verkauf der Forstpflanzen immer schwieriger. Gleichzeitig wurde die Anlage von Generhaltungsplantagen für seltene Baumarten gefördert und ein zunehmendes Interesse der Bevölkerung für den Wald festgestellt.
Ein besonderer Schwerpunkt war auch die Wissensvermittlung über den Lebensraum Wald an die Jugend.

Im Jahre 1981 kaufte der BLJV in der KG Güssing 2 Grundstücke mit einer Fläche von 2,3ha zur Anlage einer Schießstätte für den Bezirk Güssing. Der Ausbau erstreckte sich aber nur auf die Ausbaggerung eines Schusskanals, zumal die Bezirksschießstätten im Bezirk Jennersdorf und Oberwart als erfolgreiche Konkurrenten aufgetreten waren.
Bei der Öffentlichkeitsarbeit des BLJV in dieser Zeit lag der Schwerpunkt bei der beliebten Aktion „Schüler im Jagdrevier“, die vom BLJV auch finanziell unterstützt wurde.
2. Das Projekt
2.1 Das Projekt – Planung
In dieser Situation erreichte mich Anfang 1998 eine telefonische Anfrage von Brigadier Dipl.Ing. Franz Butter von der Heeresverwaltung in Wien, ob der BLJV bereit wäre, seinen Schießplatz in Güssing zu verkaufen. Als Begründung für das Kaufinteresse wurde die notwendige Erweiterung des Truppenübungsplatzes im Raum Güssing infolge des Ausbaues der Kaserne Güssing zu einer Schwerpunktkaserne angeführt.
Nach Rücksprache mit den jagdlichen Funktionären des Bezirkes Güssing über eine weitere Bedarfsnotwendigkeit eines Schießplatzes im Bezirk und Einholung der Beschlüsse der zuständigen Gremien des BLJV wurden die beiden Grundstücke NR. 1206/2 und 1210 mit 23.026m², KG Güssing mit Kaufvertrag vom 18.Nov. 1998 an die Republik Österreich, Heeresverwaltung verkauft. Der gutachtlich ermittelte Kaufpreis betrug ÖS 350 000,- oder ÖS 15,20,-/m².
In der Zwischenzeit hatte sich der Druck des Bundes auf die Länder nach Errichtung von Samenplantagen erhöht

und auch die Ausbildung von Waldpädagogen wurde immer aktueller. Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit hatte ich Gelegenheit die Waldschule der Gemeinde Wien und der Forstdirektion Pecs (Fünfkirchen) in Ungarn kennenzulernen. Beide waren als Ausbildungs- und Erlebnisstätten für die Jugend konzipiert und entsprachen meinen Vorstellungen von Öffentlichkeitsarbeit. Ich versuchte daher auch im Burgenland eine ähnliche Einrichtung über den Bgld. Forstverein oder durch Ausbau eines Teils des aufgelassenen Gebäudes der Lungenheilstätte am Geschriebenstein zu schaffen. Beim bgld. Forstverein scheiterte das Vorhaben an den fehlenden finanziellen Mitteln, im Fall Geschriebenstein an der Ablehnung durch das Land Burgenland (LH Karl Stix) mit dem Hinweis, dass diese Aufgabe der neu geschaffene, grenzüberschreitende Naturpark „Geschriebenstein – Irottkö“ übernehmen sollte.
2.2 Das Projekt – Umsetzung
Als damaliger Landesforstdirektor (1995-2000) und Landesjägermeister (1997-2007)des Burgenlandes versuchte ich diese Bestrebungen zu koordinieren und zu bündeln. Nach Einholung der Zustimmung des Vorstands des BLJV am 19.1.1999 machte ich daher dem Bundesministerium für Jagd- und Forstwirtschaft den Vorschlag, den Forstgarten in Marz durch den BLJV anzukaufen und eine waldpädagogische Einrichtung zu errichten.
Der Vorschlag wurde seitens des Bundesministeriums sehr positiv beurteilt und bei einer Besprechung am 30.11. 1999 in Wien folgende Grundzüge für ein derartiges Projekt festgelegt:
- Errichtung einer Generhaltungsplantage für Speierling, Elsbeere und Wildbirne in Zusammenarbeit mit der forstlichen Bundesversuchsanstalt
- praktische Darstellung von Hecken mit heimischen Straucharten, Verbissschutz usw.

- jagdlicher Teil: Muster von Reviereinrichtungen, Wildäsungsflächen und ähnliches


Nach Klärung weiterer Detailfragen wurden die beiden Grundstücke 4342/2 und 7962/6 mit 22 763 m² in der KG Marz mit den darauf befindlichen Baulichkeiten mit Kaufvertrag vom 8.3.1999 durch den BLJV zum gutachtlich ermittelten Kaufpreis von ÖS 455 260 ,- oder ÖS 20,-/m² angekauft. Die Projektkosten wurden mit rund ÖS 3,5 Millionen geschätzt. Diese waren gedeckt durch den Verkauf der Schießstätte in Güssing mit ÖS 350 000,-, durch Rücklagen des BLJV von rund ÖS 5 Millionen, sowie durch zu erwartende Förderungsmittel.
Das Projekt wurde bei der außerordentlichen Vollversammlung des BLJV am 5.2.2000 in Mattersburg mit einer Stimmenthaltung endgültig genehmigt. Somit war die Umsetzung mit folgendem Ablauf möglich:
- Einholung der Genehmigung der Grundverkehrsbezirkskommission bei der BH Mattersburg am 7.4.1999
- Erstellung eines Planes und einer Kostenschätzung durch Baumeister Werner Kopp, Mattersburg für den Ausbau des Gebäudes mit den Planungsvorgaben:
1 Veranstaltungsraum für ca. 50 Personen (2 Schulklassen), 1 Bastelraum für Kinder,


1 WC, überdachte Unterstellmöglichkeit für Geräte und Sitzmöglichkeit für Schulungsteilnehmer.

- Anstellung von Förster Roman Bunyai 7472 Scharndorf 1 am 18.4.2001 als Projektleiter nach einem Hearing mit 4 Bewerbern.
- Erstellung eines Gesamtprojekts durch Dipl. Ing. Herbert Sattler, Nickelsdorf zu Auslösung von Ziel 1 – Förderungsmittel (EU + Bund + Land).
Als Projektziel wurde festgelegt: Anlage einer Generhaltungsplantage für Speierling Elsbeere und Wildbirne, sowie Wissensvermittlung über ökologische Zusammenhänge der vielfältigen Funktionen des Lebensraumes Wald für Jugend, Jäger und Naturinteressierte in einer Bildungsstätte mit dem Namen „Werkstatt Natur“.
Nach diesen Vorgaben wurde im Jahre 2001 mit der Umsetzung begonnen, wobei neben den baulichen Vorhaben vor allem die Gestaltung der Themenbereiche im Freigelände eine besondere Herausforderung war. Anregungen hierzu konnte ich durch Besuchen der Waldschule Wien, der Waldschule im Mecsek Gebirge, Forstdirektion Pecs, Ungarn, der Waldschule Linz, Landesforstdirektion Oberösterreich, bei ähnlichen Einrichtungen eines privaten Waldbesitzers in der Steiermark, aus Literaturunterlagen und Vorschlägen interessierter Personen sammeln. Im Gebäude und im Freigelände wurden dargestellt:
- Gebäude: entlang der Wände im Veranstaltungsraum die Lebensräume Feld, Wasser und Wald



mit Stopfpräparaten der dazugehörigen Tierarten, sowie Trophäen von heimischen Wildarten. Als Besonderheit ein Präparat eines von einen LKW bei einem Verkehrsunfall zwischen Donnerskirchen und Purbach aus dem Mutterleib gerissenen Rotwildkalbes, sowie das Stopfpräparat eines der letzten im Bezirk Neusiedl am See erlegten Trapphahns

- Bastelraum: Bastelbedarf für Kinder und Stopfpräparate mit Darstellung der negativen Auswirkungen von weggeworfenem Plastik, Blech usw. (Wegwerfgesellschaft) auf die Tierwelt.
- Freigelände: Setzen von Speierling und Wildbirne entlang des Weges in Zusammenarbeit mit der forstl. Bundesversuchsanstalt; Errichtung eines Irrgartens (Labyrinth) mit einer Eibenhecke;

Anlage eines Lebensbaumkreises als Zuordnungsmöglichkeit persönlicher Geburtsdaten zu einer bestimmten Baumart;

Weitsprungkiste für Kinder als Vergleich zur Sprungweite verschiedener Tierarten;

Anlage eines Teiches mit Schilfrand; Setzen einer Hecke mit heimischen Baum- und Straucharten mit seitlichen buchtartigen Freiräumen (Ökonischen), streifenförmiger Anbau verschiedener Wildackermischungen;
Bau von Reviereinrichtungen wie Hochstand, Rotwildfütterung, Salzlecke, künstliche Tränken, Verbissschutz bei heimischen Baumarten; Nachbau eines Fuchsbaues als besondere Attraktion für Kinder; Anlage einer Benjeshecke durch linear abgelagerte Baum- und Strauchabschnitte als Deckungsschutz für Niederwild, Igel etc., Muster von Wildwarnreflektoren zur Verhinderung von Unfällen mit Wild auf Verkehrswegen;
Anlage eines Fanggartens mit Lebendfangfallen zur Abhaltung von Fallenstellerkursen, sowie Freihaltung einer Wiese als Kinderspielplatz.
Zur Absicherung des Gebäudes wurde entlang der Grundgrenze „Marzerbach“ ein Maschendrahtzaun mit begleitender Ligusterhecke errichtet.
Für die Wasserversorgung musste der bestehende Brunnen nachgebessert und trittsicher abgedeckt werden.


Die naturangepasste Gestaltung des Platzes vor dem Gebäude erfolgte durch Verlegung von Rasengittersteinen durch die Firma Leier.

2.3 Das Projekt – Eröffnung
Nach einer Bauzeit von rund 2 Jahren fand am 29.9.2002 am Nachmittag die feierliche Eröffnung statt, nachdem am Vormittag der Landesjägertag 2002 in Marz stattgefunden hatte. Zahlreiche Ehrengäste wie Diözesan Bischof Dr. Paul Iby , der die Einsegnung vornahm, LR Ök Rat. Paul Rittsteuer als zuständiger Referent für Land- und Forstwirtschaft sowie Jagd in der burgenländischen Landesregierung und Vertreter des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft und der Heeresverwaltung. Zahlreiche Funktionäre des BLJV sowie rund 400 weitere Besucher waren zur Eröffnung gekommen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Alois Loidl, ORF Burgenland, musikalisch begleitet von den Jagdhornbläsergruppen „Rosalia“ und „Blaufränkischland“.
2.4 Das Projekt – Bekanntmachung
Bereits während der Fertigstellung des Projekts erfolgte die Bekanntmachung durch folgende Aktivitäten:
- Vorstellung im Infoblatt des BLJV und in den Jagdzeitschriften „Österreichs Weidwerk“ und „Der Anblick“
- Beiträge im ORF Burgenland und in lokalen Printmedien
- Hinweise bei den Bezirksjägertagen
- Vorstellung bei der Schulleitertagung für den Bezirk Eisenstadt Umgebung am 30.4.2002 und bei Tagungen im mittleren und südlichen Burgenland
- Abhaltung einer Konferenz der Bezirksschulinspektoren am 22.9.2003 in der Werkstatt Natur
- Vorstellung bei der Landesjägermeisterkonferenz im Burgenland am 25.10.2002
- Vorstellung bei der Delegiertenkonferenz der Zentralstelle österreichischer Landesjagdverbände am 11.4.2003 in Salzburg
2.5 Das Projekt – Betrieb
Nach der Eröffnung wurde für den Rest des Jahres 2002 ein Probebetrieb mit Schulklassen vorgesehen, um den logistischen Ablauf für einen Vollbetrieb zu testen. Dieser zeigte, dass bei rund 50 Kindern (1 Autobus) eine klaglose Abwicklung einer Führung durch einen Waldpädagogen nicht möglich ist. Für den Vollbetrieb ab 2003 wurde daher ein zweiter Waldpädagoge eingestellt. Als finanzieller Anreiz für Schulklassen wurden 25% der Autobuskosten durch den BLJV übernommen. Die Eintrittspreise betrugen 2003: 5€/Person bei Einzelbesuchen und 4€/Person bei Besuchergruppen. 2019: 7€/Person bei Einzelbesuchen und 6€/Person bei Besuchergruppen. Aufgrund der steigenden Besucherzahlen musste 2008 eine an die Werkstatt Natur angrenzende Waldfläche der Urbarialgemeinde Marz für Führungen zugepachtet werden.

Zusätzlich zu den Führungen mit Schulklassen wurde von 2003 – 2012 eine landesweite „Woche der Jagd“ mit einer Zentralveranstaltung in der Werkstatt Natur abgehalten. Einige der Schwerpunkte dabei waren: „Wild und Wasser“, „Wildtiere als Nachbarn“, „Tag des Wildbrets“ usw.
Anlässlich des Jubiläums 5 Jahre Werkstatt Natur am 25.9.2007 wurde von Bischof Dr. Iby und Superintendent Mag. Koch ein „Hubertusmarterl“ in der Werkstatt Natur eingeweiht,

dabei konnte bereits eine Kindergruppe mit dem 10. 000 Besucher ausgezeichnet werden.
Zur weiteren Ausweitung des Projekts und Steigerung der Besucherzahlen wurde vom Leiter der Werkstatt Natur Ing. Fö R. Bunyai ein Kursprogramm mit folgenden Themen ausgearbeitet und umgesetzt:
- Revierausgänge mit Kindern
- Familienwaldnachmittage
- Kindergeburtstagsfeiern im Wald


- Waldferienlager
- Baumfällen in Anwesenheit von Kindern
- Setzen von Bäumen mit Kindern (2018 wurden 10.000 Stück Forstpflanzen im ganzen Burgenland gesetzt)
- Waldpädagogik für Schulen und Kindergärten (Naturerlebnis für Kinder und Eltern)
- Ankauf eines Anhängers „Werkstatt on tour“ im Jahre 2012 anlässlich des 10-jährigen Bestandsjubiläums für kindergerechte Revierausgänge in Begleitung eines Wald- und Wildpädagogen

- Jagdpädagogik: Revierausgänge mit Kindern, Argumentation und Dialog im Jagdrevier
- Jagdfachlicher Teil: Rechte und Pflichten des Jagdleiters und der Jagdschutzorgane; Altersansprache bei Schalenwild; erfolgreiche und sichere Bewegungsjagd auf Schalenwild; Jagdhundeführerkurse; Reviereinrichtungen selbst gebaut; Fangjagdseminar mit Lebendfangfallen; Krähenjagdseminar; lebensraum-verbessernde Maßnahmen im Niederwildrevier; Wildbeschaukurs; Zerwirkkurs; Wild gekocht, gebraten und gegrillt….


Als nationale und internationale Anerkennung der Erfolge der Werkstatt Natur wurde ihr im Jahre 2010 und 2016 der Umweltpreis des Landes Burgenland verliehen.

Im Jahre 2010 wurde die Werkstatt Natur seitens der Unesco als UN- Dekadenprojekt und im internationalen Jahr des Waldes als Waldbotschafter ausgezeichnet.
3. Danksagung
Das erfolgreiche Projekt Werkstatt Natur konnte nur durch die Zusammenarbeit vieler Interessierter umgesetzt werden. Für diese Unterstützung möchte ich mich auszugweise bei nachstehenden Personen sehr herzlich bedanken:
- Mitglieder des Vorstandes des Burgenländischen Landesjagdverbandes (BLJV):
LJM- Stellv. Dipl. Ing. Helmut Ringl für die Einbringung und Umsetzung vieler Ideen und als Kontaktperson zu Dr. Friedrich Karl Flick und Ingrid Flick als Sponsoren Landesfeuerwehrkommandant Ing. Manfred Seidl und BJM Ing. Reinhard Knaus für ihr Verständnis und gewährte Unterstützung - Verbandsanwälte: w. HR Mag. Rudolf Talos und Dr. Edgar Schüssler für die rechtliche Begleitung
- Ing. Fö Roman Bunyai als Ideenbringer, Gestalter und Betreuer des Projekts von Beginn an
- Agnes Ferenczi als Büroleiterin des BLJV für die administrative Abwicklung mit ihren Mitarbeiterinnen Tanja Schindler und Monika Bugnyar.
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- Die Bezirksjägermeister: Ing. Fö. E. Stummer jun., Neusiedl am See; Fö Franz Schuster, Eisenstadt Umgebung; Josef Rath, Mattersburg; Ing. Reinhold Iby, Oberpullendorf; Ing. Fö Klaus Gmeiner, Oberwart; OSR Albert Zankl, Güssing und Ing. Reinhard Knaus, Jennersdorf
- Landesrat Ök. Rat Paul Rittsteuer für die Unterstützung bei Gewährung der Ziel 1 Förderungsmittel (EU + Bund + Land)
- w.HR. Dr. Günther Engelbrecht, Bezirkshauptmann von Mattersburg für die rasche Genehmigung durch die Grundverkehrsbezirkskomission
- Min. Rat Dipl. Ing. Dieter Hanak- Hammerl und Dr. Hannes Bsteh vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, sowie Brigadier Dipl. Ing. Franz Butter von der Heeresverwaltung für die Koordinierung der Kauf- und Verkaufsabwicklung auf Bundesebene
- ELJM Dr. Alfons Kalbacher für die Mithilfe bei der Schaffung der finanziellen Rücklagen des BLJV
- Ing. Hans Ibesich, Großhöflein für die kostenlose Grenzvermessung
- Mathias Zerkold für die praktische Mithilfe bei der Themengestaltung
- Kurt Schraufstädter sen., Loretto für den persönlichen Einsatz und Übernahme von Schulklassen für Führungen in seinem Steinbruch
- allen Sponsoren, im besonderen Herrn Dr. Friedrich Karl Flick und Frau Ingrid Flick für die finanzielle Unterstützung und Bereitstellung von Mitarbeitern zur Herstellung verschiedener jagdlicher Einrichtungen
Der großartige Aufstieg der Werkstatt Natur vom Probebetrieb mit einigen Schulklassen zu einer modernen forstlichen und jagdlichen Ausbildungs- und Erlebnisstätte ist eng mit dem Leiter Ing. Fö. Roman Bunyai verbunden, der beim Landesjagdtag des Burgenlandes am 26.5.2022 in Oberwart zum Landesjägermeister des Burgenlandes gewählt wurde. Sein Leitspruch „ Ein nachhaltiger Erfolg kann nur mit Fleiß und Fachwissen erreicht werden“, verbunden mit dem Verständnis der Entscheidungsträger führte dazu, dass die Werkstatt Natur heute jährlich 10.000 Besucher hat und zu den bekanntesten derartigen Einrichtungen in Mitteleuropa zählt.
4. Ausblicke
Mit der Novelle vom 10.12.2020 zum burgenländischen Landesjagdgesetz 2017 wurde die Körperschaft öffentlichen Rechts „Burgenländischer Landesjagdverband“ mit 31.12.2022 aufgelöst. Dies bedeutet, dass der Burgenländische Landesjagdverband ab 1.1.2023 nicht mehr Eigentümer der Werkstatt Natur ist. Mit einem weiteren Landesgesetz von 30.Juni 2022 wurde die Vermögensrechtsnachfolge nach der Auflösung des BLJV geregelt und das Vermögen des BLJV mit 1.1.2023 dem Land Burgenland als Rechtsnachfolger übertragen und in den Landeshaushalt übernommen.
Infolge der guten Vernetzung der Werkstatt Natur in der Bevölkerung – siehe auch Schreiben von zwei Pädagoginnen – wird diese als wald- und jagdpädagogische Schulungs- und Weiterbildungsstätte ab 2023 durch das Land Burgenland weitergeführt.
Eisenstadt, im April 2026
w.HR Dipl. Ing. Friedrich Prandl
Ehrenlandesjägermeister



